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07.07.2008

Zu Maria beten?

Soll man das?

Lieber Mönch!

Mich beschäftigt seit längerem eine Frage: Darf man zu Maria beten? Ich hab nämlich schon von Leuten gehört, dass man das nicht soll. Was denkst du?

Maria

Liebe Maria!

Schön, dass du den Namen der Mutter des Herrn trägst! Sie ist nicht nur eine ganz besondere Frau, sondern in sie hat Gott, der die Liebe ist, seine schönsten Geheimnisse gelegt, die sich durch die ganze Heilige Schrift ziehen, und sein tiefstes Liebesgeheimnis hat er ihr direkt „in den Schoß“ gelegt: Jesus Christus, der aus ihr Mensch wird. Über all das kann man ein ganzes Leben lang nachdenken und es werden einem immer neue Erkenntnisse über Gott aufgehen - wie Blüten, wenn man einen Garten pflegt. Deshalb beten wir rund um das Geheimnis von Jesus und Maria auch gerne den Rosenkranz (aufgehende Blüten!), den man ja als „Betrachtungsgebet“ bezeichnet, weil von der Warte der mütterlichen Zärtlichkeit Marias aus das Leben Jesu betrachtet wird:

Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade, der HERR ist mit dir. Du bist gebenedeit (= gesegnet) unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes: JESUS, der (z.B.) von den Toten auferstanden ist.

Du siehst also: Bei diesem wichtigsten Mariengebet der Kirche ist es so wie auch bei Maria überall im Evangelium: Bei ihr steht immer ihr Sohn, der menschgewordene Gott, im Mittelpunkt. Maria ist so etwas wie ein absolut sauberer Spiegel, in dem sich die Zärtlichkeit Gottes für uns spiegelt, von der sonst vieles unsichtbar bleiben würde, weil wir so liebesblind sind. An ihr kann man, wenn man geduldig ist und ihr Geheimnis mit Gott in Liebe betrachtet, sehr genau und tröstend ablesen, wie gut es Gott mit uns meint und wie sehr er uns liebt - und vor allem: Wie nahe er uns in seiner Liebe ist, ja sogar wie MENSCHLICH nahe: Maria, der Frau, der Mutter, war er nahe ALS KIND, in ihren Armen, ernährt von ihrer Brust, von ihr lässt er sich erziehen und beschützen. DAS sind die großen Geheimnisse, nicht die abstrakten Spekulationen vieler Wissenschaftler in der Theologie.

Und deshalb gibt es zwei wesentliche Arten, wie wir Katholiken mit Maria im Gebet umgehen: Einmal, dass wir ihre besondere Gemeinschaft mit Gott betrachten, ihren zärtlichen Umgang mit ihm, der sich ihr ganz hingegeben hat - denn dabei lernen wir, wie Gott auch uns nahe sein möchte. Und dann, dass wir sie, weil sie Gott und seinem Herzen so besonders nahe ist (wie man aus dem Evangelium sehen kann), um ihr Gebet für uns bitten, um ihre „Fürsprache“. Und die Erfahrung lehrt die Beter der Kirche seit 2000 Jahren: Sie hilft immer, denn Christus hat sie am Kreuz, am Gipfel der Heilsgeschichte, am Gipfel seiner Liebeshingabe, auch uns zur Mutter gegeben: „Sohn, siehe, deine Mutter. Frau, siehe, dein Sohn.“ Betrachtung und Bitte um ihr Gebet also - das sind die zwei wichtigsten Arten des Umgangs mit ihr im Gebet, ABER: Die ANBETUNG steht Gott allein zu.

Wir beten also nur Gott an, Maria beten wir nicht an. Sie ist ein Mensch wie wir (allerdings schon in der Herrlichkeit des Himmels) und deshalb betet auch sie, wie wir und mit uns, Gott an. Umso großartiger ist es, dass Gott diesen Menschen, der seine Mutter auf Erden war, so in seine Liebe heimgeholt hat, wie auch wir einmal heimgeholt werden sollen: ganz, mit Haut und Haar, mit Leib und Seele, weil Gott uns ganz liebt. In ihr schenkt er uns also ein besonders schönes VORBILD für die Herrlichkeit, die wir bei ihm einmal haben werden. Immerhin hat er sie - so ist der Glaube der Kirche - zur KÖNIGIN DES HIMMELS gekrönt. Und dahinter steckt auch noch ein besonderes Geheimnis seiner Liebe...

So, jetzt hab ich viel geschrieben und trotzdem noch zu wenig, weil es, wie du siehst, eine ganze Menge zu ihr und Jesus zu sagen gibt. Ein Geheimnis eben. Du wirst es verstehen, wenn du liebst. Bitte Gott - gemeinsam mit deiner himmlischen Mutter Maria - im Gebet oft um die Gabe der Liebe, denn das ist das Wichtigste und der einzige Schatz, den wir wirklich besitzen - und teilen - können.

Mit lieben Grüßen und Segenswünschen,
Dein Frater Samuel

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warum nicht direkt zu Gott beten?
von: Regi
01.09.2008
Lieber Frater Samuel, Seit ich den Artikel im YOU gesehen habe wollte ich meine Frage dazu stellen… Ich verstehe nicht warum jemand zu Maria oder Heiligen betet, ich hab schon verstanden, dass sie als “Fürsprecher” gelten sollen, aber Jesus hat uns doch gelehrt zum Vater selbst zu beten. Es steht doch in der Bibel, dass Gott ein eifersüchtiger Gott ist und nicht will dass wir zu jemand anderem beten. Jesus sagt:”ich bin der Weg, die Wahrheit und das Licht, nur durch mich kommt ihr zum Vater” .... so wieso denken dann viele dass man durch Maria oder andere Heilige zu Gott kommt? Danke für deine Antwort. Regi
Hmm...
von: Klara
01.09.2008
Darüber habe ich mir auch schon den Kopf zerbrochen. Ich bete eigentlich nur direkt zu Gott, so steht es ja auch in der Bibel. Maria und Heilige sehe ich eher als Vorbilder, die mir sicher viel für mein Leben mit Gott zeigen können.
liebe regi
02.09.2008
wenn du von frater samuel oder einem mönch/einer geistlichen schwester darauf eine antwort erhalten willst, dann stell deine frage doch noch einmal an die mönchline (link ist links im menü bei “helpline”). die mönche/schwestern bekommen dann das mail von uns direkt weitergeleitet. liebe grüße, der administrator
Heilige als Vorbilder...
von: Regi
10.09.2008
...ich wuerde noch einen Schritt weiter gehen, Heilige schön und gut, aber wenn wir Jesus direct als unser einziges Vorbild nehmen sind wir noch besser dran. Kurz: eine Kopie vom Original is immer besser als eine Kopie von einer Kopie :-) Das klingt zumindest logischer für mich ….

 

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