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08.11.2008

Sex vor der Ehe

Eine Sünde?

Ist Geschlechtsverkehr vor der Ehe eine Sünde? Ein Briefwechsel...

Liebe Jenny!

Ist es wirklich eine Sünde, wenn man vor der Ehe Geschlechtsverkehr hat? Ich meine in einer festen Beziehung, in der man sich schon längere Zeit kennt und in der alle beide Vertrauen zueinander haben und dafür bereit sind...

Veronika, 14 und 2 Monate


Liebe Veronika!

Danke für deine Anfrage und dein Vertrauen. Eine klare Antwort wäre: Ja, es ist eine Sünde, wenn man vor der Ehe Geschlechtsverkehr hat. Denn Sünde ist alles, was gegen den Willen Gottes ist. Aber Gott will unser Glück. Wie kann man das verstehen? Deine Frage wäre fast gleichzusetzen mit dieser: Ist es erlaubt, ohne Fallschirm aus dem Flugzeug zu springen? Auch wenn das Vertrauen zum Piloten sehr stark ist? Das Sakrament der Ehe ist wie ein solcher Fallschirm, der einem hilft, sicheren Fußes „zu landen“ (= Lebensglück), vorausgesetzt, man wendet den Fallschirm richtig an. Die Sexualität ist ein enormes Geschenk von Gott, der uns auch die Bedienungsanleitung dazu mitgegeben hat (durch die Kirche): Wer die Sexualität in ihrer Fülle leben will, muss bereit sein, den Partner in Ehrfurcht, bedingungslos, treu bis zum Tod und in Offenheit für Kinder zu lieben. Denn das ist nichts anderes, als zu lieben, wie Gott liebt (wenn auch nur in Ansätzen), und wenn man diese Liebe lebt, findet man das Glück.

Hier noch einige Punkte zum Überlegen:

1) Wenn man sich einander mit dem Körper ganz hingibt (= Sex) und noch nicht verheiratet ist, ist es eigentlich eine Lüge, denn man hat im Herzen noch Vorbehalte (heute ja, morgen oder nächstes Jahr vielleicht nein). Selbst wenn man in einer festen Beziehung steht, hat man noch nicht dieses starke Jawort gegeben, das man bei der Hochzeit gibt (vor Gott und vor Zeugen) und man hat eigentlich noch Vorbehalte, wenn auch kleine.

2) Sex vor der Ehe beinhaltet immer eine gewisse Sorge, wenn nicht Angst vor einer Schwangerschaft oder auch Geschlechtskrankheit. Diese Angst fällt weg, wenn man sich das Jawort gegeben hat und einem einzigen Partner treu bleibt.

3) Damit ein Kind, das aus dem Geschlechtsakt entstehen könnte, gut und selbstbewusst heranwachsen kann, ist es das Beste, wenn es einen Vater und eine Mutter hat, die einander treu sind und einander lieben und somit auch das Kind mit Freuden aufnehmen – von Anfang an.

4) Das Sakrament der Ehe ist ein Bund mit Gott, der vor der Ehe nicht auf diese Weise vorhanden ist. Mit dem Sakrament tritt das Paar in eine Dreierbeziehung mit Gott ein (Er ist in ihrer Mitte), was sie befähigt, einander selbstlos, bedingungslos, treu und fruchtbar zu lieben. Das Sexualleben innerhalb der Ehe bekommt dadurch eine ganz besondere Prägung – eben eine göttliche.

Mit anderen Worten: Die Ehe ist deswegen der Fallschirm, weil Gott es ist, der die beiden, Mann und Frau, trägt und ihnen durch das Sakrament alle Mittel in die Hand gibt, die sie brauchen, um ein glückliches Leben führen zu können.

Du fragst dich vielleicht: Warum scheitern dann aber so viele Ehen, die auch kirchlich geschlossen wurden? – Nun ja, das Sakrament ist ein Schatz, aus dem man schöpfen muss. Wenn man zwar heiratet, aber nicht aus dem Sakrament lebt, ist das so, wie wenn man zwar mit einem Fallschirm springt, ihn aber nicht richtig bedient. Das liegt in der Eigenverantwortung des Menschen. Man muss also sein Leben lang aus dem Reichtum des Sakramentes der Ehe schöpfen. Wie? Am besten prüft man sich an Hand des Eheversprechens, das man einander gibt: „Ich verspreche dir die Treue in guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet. Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens.“ Und: „Seid ihr bereit, die Kinder anzunehmen, die Gott euch schenkt?“ Die konkreten Hilfen wären also: Oft das Eheversprechen voreinander zu wiederholen, regelmäßig miteinander zu beten (Gott in die Mitte zu holen), gemeinsam die heilige Messe zu feiern, regelmäßig zu beichten. Wer das ernst nimmt, dem wird die Liebe gelingen. Der Kirche geht es also nicht darum, das Glück zu verbieten, sondern den Menschen zu helfen, die Voraussetzungen kennen, damit das Glück wirklich greifbar wird und zwar auf Dauer.

Ich hoffe, das war ein wenig verständlich. Du kannst gerne wieder schreiben!

Liebe Grüße,

Deine Jenny


Liebe Jenny!

Danke für deine Antwort. Sie hat mir sehr weitergeholfen, aber es ist mir trotzdem noch irgendwie unklar: Wenn Sex vor der Ehe nun eine Sünde ist, und daher verboten, warum halten sich fast alle Menschen nicht daran? Nur wenige wollen bis zur Ehe zu warten. Viele haben ja ihr 1. Mal sogar nicht mit demjenigen oder derjenigen, mit dem oder der sie später verheiratet sind...

Veronika, 14 und 2 Monate


Liebe Veronika!

Ich freue mich, wieder von dir zu hören. Also, wieder möchte ich dir am Anfang ein klare Antwort geben: Wenn man sich an die katholische Kirche halten will, muss man wissen, dass Sex vor der Ehe sehr wohl eine Sünde und demnach „verboten“ ist, d.h. die Konsequenz wäre, dass man erst zur Kommunion gehen darf, wenn man vorher gebeichtet und bereut hat, d.h. sein Leben ändert. Da sich scheinbar nur wenige an die katholische Kirche halten bzw. sich etwas von ihr sagen lassen wollen, leben auch viele dementsprechend, also nicht nach dem, was sie sagt. Der triftigste Grund dafür ist wohl, dass sie nicht wissen, WARUM die Kirche das so sagt und weil sie ihr misstrauen. Wenn ich unter Kirche nur „Regelpolizei“ verstehe, ist es klar, dass ich mir nichts um sie pfeife.

Sehe ich die Kirche jedoch mehr als „liebende Mutter“, die mich vor Ärger, Leid, Herzschmerz, großen Schwierigkeiten und - längerfristig gesehen - einem unerfüllten und unglücklichen Leben bewahren will, werde ich mich gern an das halten, was sie mir zu sagen hat. Und sehe ich die Kirche sogar als noch mehr, als den Ort, wo ich Jesus begegnen kann (vor allem in der Eucharistie), von dem ich das Leben und die Liebe, die Hoffnung und die wahre Freude erhalte, dann kann ich gar nicht anders, als die Kirche zu lieben und ihr gern anzugehören.

Zur Veranschaulichung noch ein Vergleich: Angenommen, die Mehrheit der Menschen würde sich ausschließlich von schimmligem Essen ernähren und würde behaupten, dass das normal wäre, würden es die meisten auch tatsächlich glauben. Wenn nun jemand daher kommt und behauptet: „Hey, das wirklich gute Essen ist etwas ganz anderes!“ und er würde dich zu einem total tollen Buffet führen, wo sich die Tische biegen, würdest du da noch immer das schimmlige Essen bevorzugen? Leider tun es noch immer viele, weil sie nicht wissen, was ihnen entgeht.

Und nichts anderes möchte die Kirche: Sie möchte uns zu einem Festmahl führen, wo es nicht nur genug, sondern auch total gutes Essen gibt. Im übertragenen Sinn: Sex vor der Ehe ist heutzutage vielleicht eine Selbstverständlichkeit, aber Sex in der Ehe kann – wenn er innerhalb einer Beziehung von zwei Menschen gelebt wird, die Gott zum Mittelpunkt haben – zu Höhen führen, von denen andere nur träumen. Denn Sex in Verbindung mit dem Sakrament ist eine Verbindung mit Gott und eine Vergegenwärtigung Gottes. Denn es ist ein Widerschein seiner Liebe.

Diese Liebe wünsche ich dir,

Deine Jenny

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