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05.07.2008

Der Hooligan

und die Wende auf der Parkbank

von Daniela Sziklai

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Er war ein Hooligan. Das Herumziehen und Verprügeln der Fans der gegnerischen Mannschaften machte ihm Spaß. Gewalt, Alkohol, Drogen – es folgte der Absturz. Doch dann veränderten ein paar Minuten auf einer Parkbank sein ganzes Leben...


„Mit dreizehn Jahren lernte ich ein paar Punker auf dem Alexanderplatz kennen und war hellauf begeistert von ihrem Auftreten. Bunte Haare, das war genau das Richtige für jemanden wie Jan.“

Jan Günther (Name geändert) lebt Mitte der 1980er Jahre mit seiner Familie in Ost-Berlin. Die Eltern haben sich noch vor seiner Geburt getrennt, mit seiner Mutter, seinem Stiefvater und seiner Halbschwester versteht er sich nicht besonders gut. Er ist immer der Pausenclown, der vor allem unterhalten und provozieren will. Mit 13 färbt er sich die Haare rot und wird zum Punker, weil er nicht „in der grauen Masse mitschwimmen“ möchte. Mit seinen Freunden macht er den Alexanderplatz unsicher und spielt in einer Garagenband.

Doch dann findet Jan eine Clique, wo er das Zugehörigkeitsgefühl ganz neu und aufregend erleben kann: die Hooligan-Anhängerschaft des Berliner Fußballclubs BFC. Gleich seine Anfänge beim Club sind abenteuerlich: Bei seinem ersten Auswärtsspiel wird er von Fans der gegnerischen Mannschaft brutal verprügelt. Doch obwohl ihn alles schmerzt, ist er glücklich: Jetzt gehört er dazu.


„Ich bin einer von denen, dachte ich die ganze Zeit, Wahnsinn. Konnte das Leben überhaupt noch schöner werden?“

Jan wird ab nun von seinen neuen Freunden „Joker“ genannt. Jeder Samstag gehört ab nun dem BFC. Die Fans dieser Mannschaft sind besonders gefürchtet und gewaltbereit, und Jan trägt das Seinige dazu bei, um diesen Ruf zu festigen. Sie schlagen auf der Straße Passanten zusammen, nur weil diese Fans anderer Mannschaften sind. Nach einem Spiel treten sie mit nur fünfzig Mann den Kampf gegen fünfhundert Hooligans der gegnerischen Berliner Mannschaft Union an – und siegen. „Wir strahlten eine Energie von fünftausend Leuten aus. Da war so viel Hass, so viel Unerschrockenheit in unseren Gesichtern, wie es die Unioner noch nie zuvor gesehen hatten.“

Jan genießt dieses Leben, den Zusammenhalt mit seinen Freunden, den besonderen „Kick“, wenn eine Schlägerei ansteht, das Gefühl der Macht über andere.

Jan lebt in der DDR, zur Zeit des Kommunismus. Durch seine Umtriebe als Hooligan hat er die Polizei bereits auf sich aufmerksam gemacht. Bei einer Hausdurchsuchung finden die Behörden in seinem Zimmer Karikaturen von Staatschef Erich Honecker. Mit nur 15 Jahren wird Jan verhaftet – nicht wegen seiner Schlägereien als Hooligan, sondern „aus politischen Gründen“.


„Wenn du ins Jugendhaus nach Dessau kommst, dann hast du ein echtes Problem. Das ist das schlimmste von allen.“

Jan muss zehn Monate im berüchtigten Jugendgefängnis Dessau verbringen. Hier herrscht strengste militärische Disziplin. Was noch schlimmer ist: Die Jugendlichen terrorisieren sich gegenseitig. Wem es nicht gelingt, bei den Rädelsführern gleich am Anfang Sympathie zu gewinnen, wird fertiggemacht. Jan, dem Clown, gelingt es bald, mit frechen Antworten gegenüber den Wärtern bei den anderen Gefangenen Respekt zu erlangen. Dafür ist er ab nun einem der Wachmänner ein Dorn im Auge, der ihn auch schon mal blutig prügelt.

Schließlich sind die zehn Monate um und Jan kehrt wieder zurück nach Berlin. Er erfährt dort, dass seine Mutter wieder geheiratet hat, und bricht mit ihr. Ab nun ist der BFC seine einzige Familie.


„Horst hatte langes Haar, einen Bart, braune Augen und einen ganz liebevollen Gesichtsausdruck. Ich taufte ihn Jesus.“

Nach dem Fall der Mauer 1989 jobbt Jan als Dachdecker und lernt an seinem Arbeitsplatz einen Kollegen namens Horst kennen, einen gläubigen Christen. Er merkt sofort, dass dieser Mann anders ist als die anderen: demütig, liebevoll, ohne Hass und Rachegelüste. Jan ist völlig baff. So etwas hat er noch nie erlebt. Einer, der sich scheinbar nicht wehrt und doch so stark, fest und überzeugt wirkt? Irgendwie hat Jan zwar immer an Gott geglaubt, doch durch seine Erlebnisse ist er zu der Überzeugung gelangt, dass Gott nie für ihn da war. Die Begegnung mit Horst bringt ihn daher kurz aus dem Gleichgewicht – doch er ist zu verstrickt in die Hooligan- und jetzt auch in die Neonazi-Szene, um ernsthaft über sein Leben nachdenken zu wollen.

Als Jan dann seinen Job verliert, wird er Barkeeper, doch die nächtelange Arbeit fordert bald ihren Tribut: Er trinkt immer mehr und wird schließlich kokainabhängig. Auf einem Treffen von Motorrad-Rockern fällt ihm eines Tages eine Gruppe sehr ungewöhnlicher Biker auf: „Die waren genauso lieb wie Horst!“ Tatsächlich handelt es sich um christliche Rocker, die dem verdutzten Jan kurzerhand eine „Biker-Bibel“ schenken. Doch dieser kann sich noch immer nicht von seinem bisherigen Leben lossagen.


„Wenn es Gott möglich war, mich zu retten, dann kann er jeden retten.“

Doch dann kommt eine Reise, die Jans ganzes Leben verändert. Um die Sozialversicherung zu betrügen, simuliert er eine psychische Krankheit, und muss daraufhin mehrere Wochen in einer Therapieeinrichtung am Land verbringen. Als er eines Tages spazieren geht, beschließt er plötzlich, Gott aufzufordern, sich ihm zu zeigen. „Hör mal zu, Jesus. Wenn es dich wirklich gibt und du der Sohn Gottes bist und du wirklich lebst, dann will ich dir heute hier in meinem Leben die Chance geben, dich mir vorzustellen.“ Er spürt irgendwie sofort, dass Gott dieser Bitte entsprechen wird.

Plötzlich steht er vor dem Gebäude einer Bibelschule, das ihn magisch anzieht. Als er hineingeht, spricht ihn ein junger Mann an: „Suchst du wen? Ich glaube, du suchst Gott.“ Jan ist erschüttert und berührt. „Bist du Jesus?!“, fragt er den Mann, der sich ihm dann aber als Matthias vorstellt. Auf dem Rückweg muss Jan sich auf eine Parkbank setzen, so überwältigt ist er. Plötzlich läuft sein ganzes Leben vor seinen Augen ab, all die Sünden, die er begangen hat. Er übergibt sein Leben Jesus. Mit der Hilfe von Matthias lernt er das Christentum kennen und taucht ein in eine für ihn völlig neue Welt.

Jan gelingt es, aus der Hooligan-Szene auszusteigen, obwohl er sogar lebensgefährliche Drohungen seiner ehemaligen Freunde bekommt. Aber er weiß sich von Gott getragen. Auch seine leidgeprüfte Freundin Kathrin, die diese Veränderung zunächst für eine neue „Dummheit“ Jans hält, versteht bald die echte Wende ihres Freundes, und die beiden heiraten. Nach einiger Zeit kann er sogar wieder zu einem Fußballspiel gehen – aber diesmal nicht mehr als Hooligan...

Die ganze wahre Geschichte des jungen Ost-Berliner Hooligans erzählt die Schweizer Autorin und evangelikale Christin Damaris Kofmehl in ihrem Buch „Der Hooligan“, welches im Brunnen-Verlag erschienen ist. Extrem spannend und erschütternd schildert sie das Leben dieses jungen Mannes, der ihr persönlich seine Geschichte erzählt hat. Er bittet anonym zu bleiben und so gibt sie ihm den pseudonymen Namen „Jan Günther“.


BUCHTIPP

„Der Hooligan“ von Damaris Kofmehl
erhältlich im YOU! Shop

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von: first_lady
23.12.2008
klasse buch!!

 

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