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30.04.2007

Zellhaufen oder Mensch

Wissenschaftlich gesprochen: Ist ein Embryo ein Mensch?

Univ.- Prof. Dr. Lukas Kenner im Exklusivinterview

„Ich verstehe es nicht“, erklärt Magdalena (21). „Ich verstehe nicht“, fährt die Wiener Studentin fort, „warum man der Mutter nicht die freie Entscheidung lässt, ob sie ihr Kind dieser brutalen Welt aussetzen will oder nicht.“ Sie schüttelt den Kopf und will auch gar nicht mehr weiter diskutieren.

Solche Themen lassen einen nicht kalt. Abtreibung, Euthanasie, Stammzellenforschung – Bereiche die das Leben jedes Einzelnen und die ganze Gesellschaft betreffen. Für Magdalena ist es das Recht der Frau, für das sie eintreten will. Deshalb kritisiert sie auch Daniela (19), die eine Pro-Life Anstecknadel trägt, mit der Inschrift: „Abtreibung ist Mord“. Daniela möchte für die Rechte der Ungeborenen eintreten. Sie sieht sich als Beschützerin des Lebens.

Damit kann sich wahrscheinlich jeder identifizieren. Leben gehört geschützt. Aber über die Frage, was nun Leben ist und was nicht, ab wann man von Leben überhaupt reden darf, darüber scheiden sich die Geister. Und die daraus resultierenden Diskussionen werden zumeist ziemlich brutal geführt.

YOU! Magazin traf sich deshalb mit Univ.-Prof. Dr. Lukas Kenner, Pathologe am Institut für molekulare Pathologie der Universität Wien. Er erklärte uns, wann das Leben im wissenschaftlichen Sinn nun wirklich beginnt und warum viel mehr Leute über embryonale Stammzellen Bescheid wissen sollten.


YOU!: Nach wissenschaftlicher Definition, wann beginnt eigentlich das Leben?

Dr. Kenner: Natürlich gibt es mehrere Definitionen, aber grundsätzlich beginnt das Leben mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle. Damit stimmt sicherlich jeder Histologe überein.


YOU!: Wenn das Leben schon ab diesem Zeitpunkt beginnt, warum sind dann z.B. Abtreibungen überhaupt erlaubt?

Dr. Kenner: Eigentlich sind Abtreibungen auch nicht erlaubt, sondern einfach nur straffrei gestellt. Das heißt, wenn man in gewissen Fristen eine Abtreibung durchführt, muss man trotzdem nicht ins Gefängnis. Eine viel größere Rolle in diesem Zusammenhang spielt natürlich aber die Frage, ab wann der Embryo als Person und nicht einfach als „etwas Lebendiges“ zu betrachten ist. Viele argumentieren, dass man erst dann von einer menschlichen Person sprechen darf, die auch das staatlich anerkannte Recht auf Leben hat, wenn sie verschiedene Funktionen ausführen kann, ein Bewusstsein oder zum Beispiel ein Schmerzempfinden entwickelt hat.


YOU!: Was halten Sie von dieser Argumentation?

Dr. Kenner: Ich halte sie für ziemlich gefährlich. Wenn ich einen Menschen nur dann als lebensfähig betrachte, wenn er bestimmte Funktionen erfüllen kann, dann stehe ich vor einem gewaltigen Problem. Viele Behinderte oder Unfallopfer oder alte Menschen sind auch nicht fähig allein ihr Leben zu bewältigen. Hat jemand, der im Koma liegt etwa nicht das Recht auf Leben? Er ist zeitweilig genauso wenig – verzeihen Sie mir das Wort – „funktionstüchtig“ wie Ungeborene.


YOU!: Ab wann sehen Sie einen Embryo als menschliche Person an?

Dr. Kenner: Ab der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle. Oder besser gesagt, ab dem Zeitpunkt, ab dem Gott dem neuen Leben eine Seele schenkt. Deshalb trete ich dafür ein, so wie die Kirche übrigens auch, dass Leben vom frühestmöglichen Zeitpunkt an zu schützen.


YOU!: Als Molekular-Pathologe sind Sie ständig genau mit dieser Problematik konfrontiert. Sie forschen mit embryonalen Stammzellen von Mäusen. Seit Längerem gibt es aber auch Bestrebungen menschliche embryonale Stammzellen in der Forschung zu verwenden. Worin liegt dabei das Problem?

Dr. Kenner: Grundsätzlich haben Stammzellen die Fähigkeit sich selbst zu erneuern oder sich in eine spezialisierte Zelle entwickeln zu können. Dadurch können sie als Ersatzgewebe für verschiedenste Erkrankungen des Menschen dienen. Noch wissen wir nicht wie weit das auch im Menschen wirklich funktioniert, dafür ist die Forschung noch nicht genug erprobt. Aber grundsätzlich könnte man durch Stammzellenforschung Erkrankungen besiegen, die bisher als unheilbar galten. Also zum Beispiel Parkinson, Alzheimer, aber auch verschiedene bösartige Tumore.


YOU!: Bis hierher hört sich das großartig an.

Dr. Kenner: Allerdings. Problematisch wird es erst mit der Auswahl der Stammzellen für die Forschung. Es gibt nämlich zum einen adulte Stammzellen, die dem erwachsenen Menschen entnommen werden und zum anderen embryonale Stammzellen, die aus einem fünf bis sieben Tage alten Embryo gewonnen werden. Es ist allerdings sehr aufwendig, adulte Stammzellen aus dem Knochenmark zu isolieren und diese zu kultivieren. Deshalb wollen einige Forscher mit embryonalen Stammzellen arbeiten, da diese relativ leicht zu gewinnen und auch zu vermehren sind.


YOU!: Aber für die embryonale Stammzellenforschung würden Embryos gezüchtet und zerstört werden?

Dr. Kenner: Ja. Beim Menschen werden die embryonalen Stammzellen aus Blastozysten (Embryo am 5. – 7. Tag seiner Entwicklung) von den bei der künstlichen Befruchtung (In vitro Fertilisation) anfallenden überzähligen befruchteten Eizellen isoliert. Der Embryo wird bei diesem Vorgang zerstört und kann sich nicht weiter entwickeln.


YOU!: Warum wird hier mit menschlichem Leben so leichtfertig umgegangen, obwohl Wissenschaftler doch eigentlich für das Leben arbeiten müssten?

Dr. Kenner: Es wird halt über ethische Aspekte viel zu wenig nachgedacht. In der Forschung konzentriert man sich oft mehr auf Ergebnisse und denkt weniger über Konsequenzen nach. Viele Befürworter der embryonalen Stammzellenforschung halten Embryonen schon für schützenswert. Aber eben nicht von Anfang an, sondern erst ab einem gewissen Zeitpunkt. Das wird mit dem hohen Nutzen für die Menschheit durch neue Heilungserfolge gerechtfertigt. Der Zweck heiligt die Mittel.


YOU!: Was sind Ihre Argumente gegen embryonale Zellforschung?

Dr. Kenner: Meiner Meinung nach sollte die Menschenwürde nicht an das Vorhandensein von irgendwelchen Eigenschaften, wie etwa das Bewusstsein, gebunden sein. Der angebliche „Zellhaufen“ trägt von Anfang an das volle Lebensprogramm für die Entwicklung eines Menschen in sich.


YOU!: Was kann man tun, damit die Forschung nicht mit menschlichen embryonalen Stammzellen experimentiert?

Dr. Kenner: Hier zählt die öffentliche Meinung sehr, sehr viel. Forschung wird noch immer meistens vom Staat finanziert und Politiker entscheiden über das, was gemacht werden darf und was nicht. Politiker werden vom Volk gewählt und wenn das Volk gegen embryonale Stammzellenforschung auftritt, dann wird es sie auch nicht geben.

Andreas Thonhauser

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Oh...
von: Riddler79
11.03.2008
...wiedereinmal einen Mitarbeiter des IMABE Instituts interviewt.

Seine Argumentation mit Komapatienten oder Behinderten ist ja überhaupt nicht zulässig, schließlich haben diese Patienten bereits ein entwickeltes Nervensystem, schließlich denken oder dachten diese Menschen bereits, schließlich haben oder hatten sie ein Bewußtsein. Denn wie bereits erwähnt, gibt es auch die Ansicht, daß erst ab dem 14. Tag von einem Embryo im engeren Sinn gesprochen werden kann, da sich hier Primitivstreifen, Primitivknoten und Grube entwickeln, die Vorläufer des Zentralnervensystems. Man könnte also auch sagen, daß damit der erste Baustein des Bewußtseins gelegt wurde und damit der Individualität.

Hmm...
von: -Maria-
11.03.2008
...die Individualität ist aber bereits seit der Verschmelzung der Ei- und Samenzelle gegeben, da die DNA ja einmalig ist (außer bei Zwillingen oder Klonen).

Abgesehen davon, dass bereits einzellige Lebewesen Reize fühlen und auf diese reagieren.

 

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