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20.05.2007

Einbeinig zum Nord- und Südpol

Jas Mela schafft's

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Es gibt Dinge, die unmöglich sind, und es gibt Dinge, von denen wir glauben, dass sie unmöglich sind. Mit nur einem Bein und einem Arm sowohl Nordpol als auch den Südpol zu erreichen zählt jedenfalls nicht zu den unmöglichen. Denn das schaffte ein 15-jähriger Junge aus Polen. Als jüngster Mensch und als erster Behinderter überhaupt!


Der Unfall

Jas Mela – ein gesunder, lebensfroher, aktiver und sportlicher Jugendlicher. Mit 13 Jahren verliert er bei einem Starkstrom-Unfall seinen linken Unterschenkel und seinen rechten Arm. Ein Weltuntergang für Jas. Was ist mit all den Zukunftsplänen, all den Träumen die er hat...? Ist das Leben, wie er es gekannt hat wirklich vorbei? War’s das mit der Lebensfreude? Gibt es jetzt überhaupt noch etwas zu erreichen? Ist nicht alles schon egal? Schreckliche Gedanken quälen Jas und trotz der täglichen Besuche der Eltern und Freunde im Spital fühlt er sich einsam und niedergeschlagen.


Die Idee

Doch die Eltern von Jas wollen ihren Sohn auf andere Gedanken bringen und ihm neue Hoffnung geben. Sie bitten einen Bekannten, den Abenteurer und Expeditionsleiter Marek Kaminski, mit Jas zu reden und ihm von seinen Reisen und den schweren Anfängen als Abenteurer zu erzählen. Er soll ihn motivieren und ihm zeigen, dass es sich nicht auszahlt aufzugeben und dass Verzweiflung kein guter Begleiter auf dem Weg zur Lebensfreude ist.

Doch zu dem Treffen kommt es erst zwei Monate nach der Spitalsentlassung, dafür bittet Marek Jas ganz überraschend, ihn auf seiner Expedition zum Nordpol zu begleiten. Jas weiß zunächst nicht, ob es sich dabei um einen Scherz handelt. Doch Marek scheint es ernst zu meinen. „Anfangs war ich nicht sehr begeistert, weil ich ja erst 13 Jahre alt war und noch dazu eine Behinderung hatte. Ich war nicht sicher, ob ich diese Verantwortung tragen kann. Ich wollte niemanden enttäuschen, vor allem nicht mich selbst. Letztendlich dachte ich mir, wieso sollt ich’s nicht versuchen.“ Später erfuhr Jas, dass der Vorschlag mit den Eltern abgesprochen war. Sie wollten ihn überraschen und auf diese Weise auf andere Gedanken bringen. Und so begann Jas zu trainieren.


Das Training

Insgesamt dauerten die Vorbereitungen in etwa eineinhalb Jahre. Jas musste zuerst die alltäglichen Tätigkeiten neu erlernen. Als er wieder mit Hilfe einer Spezialprothese gehen konnte, begann sein spezielles Nordpol-Training. Dazu gehörten Kräftigungsübungen wie Liegestütz und Crunches sowie Ausdauersportarten wie Radfahren, Schwimmen, Strandmärsche mit hinterher gezogenen Autoreifen (eine Simulation für den schweren Geräteschlitten) und Skifahren.

Gerade das Skifahren war für Jas eine besondere Herausforderung, da er noch nie zuvor in seinem Leben auf Skiern gestanden ist. Zusätzlich gab es ein Schwimmtraining in voller Montur und zum Gewöhnen an die arktischen Temperaturen musste Jas bei -127°C in die Kühlkammer. Ein hartes Training, umso mehr für einen Jugendlichen mit einer so schweren Behinderung. Doch Jas gab nicht auf und trainierte mit eisernem Willen, denn er hatte ein großes Ziel...


Die Expedition

Im April 2004 war es soweit. Die Expedition konnte beginnen. Jas, Marek und der Fotograf Wojciech Ostrowski machten sich auf den Weg. Sie flogen nach Spitzbergen, wo sie neun Tage verbrachten, um sich an die polaren Gegebenheiten zu gewöhnen. Danach fuhren sie zur polnischen Polarstation in Horsund, von wo es für die drei Abenteurer zu Fuß losging. Sie hatten eine lange Strecke vor sich und jeder einzelne der 112 Kilometer war äußerst beschwerlich. Das Wetter war nicht, wie sie es sich gewünscht hätten. Sie waren fast gezwungen die Expedition abzubrechen. Sogar noch einen Tagesmarsch vom Nordpol entfernt war es sehr unwahrscheinlich, dass sie das Ziel erreichen könnten.

Umso größer war die Freude und Begeisterung, als das Expeditionsteam am 24. April den Nordpol erreichte. „Ich freute mich sehr! Auch deshalb, weil wir uns während der ganzen Reise kein einziges Mal gestritten hatten, was unter so extremen Bedingungen nicht selbstverständlich ist“, erinnert sich Jas. Ihre Freude wollten sie unbedingt teilen und so schrieben sie ein Telegramm an den Heiligen Vater, Johannes Paul II, ihren Landsmann. Von der Expedition Heimgekehrt ging das Training weiter, denn die nächste Reise und Herausforderung musste vorbereitet werden.

Im Dezember des gleichen Jahres starteten die drei Abenteurer ihre Expedition zum Südpol. Und sie erreichten ihr Ziel, das keineswegs nur im Erreichen des Nordpols oder des Südpols lag. Sie erreichten viel mehr. Für Jas war diese Erfahrung wahrlich ein persönlicher Triumph über die Folgen seiner Behinderung. Er lernte, dass durch gemeinsame Anstrengung und gegenseitige Hilfe selbst schwierigste Ziele erreicht werden können. Und sie setzten ein Zeichen dafür, dass eine behinderte Person ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft ist.

„Zwar war die Expedition keine Notwendigkeit“, wie der Papst auf das Telegram der Abenteurer antwortete, „doch sie war ein erfolgreicher Versuch dessen, was man machen kann, um der Welt zu zeigen, dass eine Behinderung keine Einschränkung ist, um selbst schwierigste Aufgaben in Angriff zu nehmen.“


Jeder hat seinen Pol

Und genau das wollten die Expeditionsteilnehmer aufzeigen. Sie wollten durch ihre Reise andere ermuntern ihrem Pol entgegen zu gehen und Herausforderungen anzunehmen. Für den Expeditionsleiter Marek Kaminski geht das Projekt weiter, denn jeder hat seinen Pol. Es gibt viele Jugendliche mit einer Behinderung. Viele Menschen hadern mit tragischen Schicksalen, mit Schwierigkeiten. Viele Menschen träumen von scheinbar unerreichbaren Zielen. Marek möchte durch seine Tätigkeit alle herausfordern diesen Zielen mit Engagement entgegen zu gehen. Das, was für Jas anfangs nur ein Scherz war, erreichte er durch hartes Training und eisernen Willen. Wie im lateinischen Sprichwort „per aspera ad astra“ erreichte Jas „über Mühen und Widerwärtigkeiten die Sterne“. „Gib nicht auf, trotz aller möglichen Hindernisse“, sagt Marek Kaminski „glaub an dich und deine Möglichkeiten und mit Sicherheit wirst auch du die Sterne erreichen“.

Weitere Informationen über die Arbeit von Marek Kaminski und seine Expeditionen bekommst du unter: www.kaminski.pl

Dominik Lapka, Leopold Andrä

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