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04.07.2008

21

Nur Mittel zum Zweck?

Nicht zuletzt wegen der schönen Jill wird Ben Mitglied eines gewieften Zocker-Teams, das nur ein Ziel hat: die Casinos dieser Welt auszunehmen.

von Michael Cech

YOU!Kategorie: A2     info

Es ist ja nicht so, dass man nicht hohe Ideale hätte. Man will Großes erreichen. Sich für das Gute einsetzen. Aber das Leben spielt halt nicht immer mit. Ein Riegel wird vor die Tür geschoben und plötzlich sieht man alle Pläne dahinschwinden. Und hier beginnt der Kompromiss. Eine kleine Halbwahrheit. Ein bisschen Verbotenes. Ist ja nicht wirklich etwas Illegales... Aber auf einmal findet man sich als jemand wieder, den man nicht mehr wiedererkennt.

So geht es Ben in 21. Er ist so etwas wie ein Ass in Mathematik, hat alle Voraussetzungen, endlich den Traum eines Harvardstudiums zu beginnen, doch fehlt dafür das nötige Geld.

So nimmt er die Gelegenheit wahr, um mit einem Team und einer ausgeklügelten Strategie die Black-Jack-Tische in Las Vegas abzuräumen. Denn er versteht es, die Karten zu zählen und die Wahrscheinlichkeit des Gewinns zu berechnen. Eigentlich nicht illegal, aber trotzdem verboten, zumindest was die Eigentümer der Casinos angeht und was daher nicht lange ohne Ärger bleibt.

Wo beginnt der falsche Weg? Wie wird aus dem Jungen, der eben seinen 21. Geburtstag feierte und große Ideale hatte, ein Zocker, dessen einziger Gedanke es ist, an den Black-Jack-Tischen die „21“ zu bekommen? Vielleicht als er das Angebot bekam, an diesem gewieften Gaunerstück mitzuwirken? Oder als er sich für das nette blonde Mitglied des Teams zu interessieren begann? Als er seine Mutter das erste Mal anlügen musste? Vielleicht aber auch schon, als er seinen Traum von seiner Zukunft zerplatzen sah. Oder als er und seine Kumpels sich als „unzufriedene Looser“ erkennen mussten.

Der falsche Weg beginnt nicht bei der Entscheidung zwischen dem Falschen und dem Richtigen. Sondern beim Kompromiss, den man eingeht, um eigentlich das Richtige und Gute zu erreichen. Das berühmte „Mittel zum Zweck“ gibt es aber nicht. Denn keine schlechte Sache wird deswegen gut, nur weil das Ziel an sich gut wäre. Ben muss die Folgen sehen. Plötzlich verschwimmen die gesetzten Ziele und Ideale. Wichtig wird immer mehr der eigene Vorteil. Freundschaften gehen kaputt, weil die Aufrichtigkeit zu den anderen und vor allem zu sich selbst verloren geht.

Das Problem an der Sache ist, dass der falsche Weg oft eine gewisse Attraktion hat. Er kann schon Spaß machen. Anfänglich zumindest. Und doch gibt es da diese kleine, leise innere Stimme, die zur Aufrichtigkeit ruft. Solange wir aber dieser inneren Stimme nicht vertrauen, dass sie vielleicht doch recht hat und letztlich eine größere Freude, als nur bloßen Spaß, versprechen kann, solange wird es uns auch nicht möglich sein, den faulen Kompromiss an der Wurzel zu packen.


Und die Wurzel ist wie bei Ben zuerst die Unzufriedenheit und das Misstrauen, dass trotz Schwierigkeiten alles einen Sinn hat. Wäre das beste Gegenmittel hier nicht die Dankbarkeit? Dankbar zu sein für das, was wir im Leben geschenkt bekommen haben? Wir dürfen aber auch dankbar sein, wenn unsere Pläne nicht immer gleich so in Erfüllung gehen, wie wir uns das vorstellen, denn wir können darauf vertrauen, dass alles, was passiert, zu etwas noch Besserem für unser Leben wird. Denn als Christen haben wir diese Zusage bekommen.

In 21 geht es um den faulen Kompromiss. Wird Ben an seinen Idealen festhalten können? Und wie schafft er es, wieder aus seinem Schlamassel herauszukommen?


21 könnte ein Plädoyer für die klare Entscheidung und Charakterstärke sein, wenn der Film selbst nicht ebenfalls einige Kompromisse machen würde...

Die faulen Kompromisse in 21:

1. Obwohl Ben eigentlich seine Fehler einsieht, löst er sein Problem genau mit denselben Mitteln, nämlich indem er Unehrlichkeit anwendet.

2. Ben und Sarah sind sich sofort sympathisch, und landen ziemlich schnell im Bett. Es ist immer ein fauler Kompromiss mit der Wahrheit, wenn Liebe auf Sympathie reduziert wird und Sex als die Erfüllung aller Sehnsüchte dargestellt wird.

3. Das coole Zocker-Team feiert seinen Erfolg in einem Strip-Lokal, als wäre das das Normalste auf der Welt. Wenn Frauen und Mädchen sich für Geld verkaufen müssen, ist das weder normal, noch cool, noch lustig.

4. Am Ende des Films, zumindest dem „Happy End“ nach, ist es doch bloß wieder Geld und Las Vegas, was alle glücklich macht. Auch wenn alles recht witzig ist und nicht zu ernst genommen werden sollte – ein Kompromiss bleibt es allemal...

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