rudolf cms image
01.05.2007

Rocky Balboa

Sein letzter Kampf

Für Ex-Box-Star Rocky Balboa ist das Alt-Werden auf jeden Fall nicht leicht. Fast täglich hockt er auf einem Klappsessel am Grab seiner geliebten Frau Adrian – seitdem sie weg ist, ist nichts mehr, wie es vorher war.

In seinem Restaurant, liebevoll „Adrian’s“ genannt, unterhält er die Gäste mit Anekdoten aus seiner großen Zeit als Boxer. „Du lebst rückwärts!“, jammert sein Schwager Paulie, den er auf nächtliche Touren an die Schauplätze seiner Jugend mitschleppt. Bekannt als Box-Legende ist er zwar noch, und selbst Geschäftsleute in feinen Anzügen freuen sich, wenn sie sich mit ihm fotografieren lassen können. Doch wie lange noch?

Besonders macht ihm sein Sohn Robert Sorgen: Er ist zum versnobten Yuppie geworden und sein schmuddeliger, kläglicher Vater ist ihm sichtlich peinlich. Dabei wäre er noch die Person, die Rocky am unmittelbarsten mit seiner geliebten Adrian verbindet – doch die Entfremdung scheint unaufhaltsam zu sein. War es das also? Ein Leben aus Erinnerungen an frühere Triumphe, zunehmend getrennt von den Menschen, die man am meisten liebt, jeden Tag näher zum Tod?


Die Herausforderung

Doch dann kann Rocky noch einmal zeigen, was er wirklich draufhat. Ein computersimulierter Boxkampf eines Fernsehsenders ergibt, dass Rocky auf der Höhe seiner Kräfte den aktuellen Weltmeister im Schwergewicht, den bisher unbesiegten Mason Dixon (gespielt vom Profi-Boxer Antonio Tarver), geschlagen hätte. Das bringt die Manager des jungen Sportlers auf eine zündende Idee: den amtierenden Weltmeister auch in Wirklichkeit gegen den Altstar antreten zu lassen. Für Rocky eine fast unglaubliche Herausforderung: Wird er dem mehr als dreißig Jahre jüngeren, kräftigen und wendigen Dixon Paroli bieten können? Soll er es noch einmal darauf ankommen lassen – in seinem Alter...?


Sylvester Stallones persönlichster Film

Sylvester Stallone wurde 1976 mit der Geschichte des Boxers Rocky zum Star. Vier Fortsetzungen folgten, mit Rocky V (1990) schien aus der Serie allerdings die Luft draußen. Dreißig Jahre nach dem ersten Film wollte Stallones es nun noch einmal wissen, trotz eines Alters von mittlerweile fast 60 Jahren. Dabei schien es vielen Kritikern zunächst als „Wahnsinn“, als der frühere Action-Star bekannt gab, in seinem Alter noch einmal in seiner legendären Rolle als Boxer aufzutreten. Hatte er das denn wirklich nötig? Wusste er denn nicht, wann es genug war? Und vor allem: Würde er es denn schaffen, diesen Film zu machen, ohne eine lächerliche Figur abzugeben? Aber Stallone nahm – wie Rocky – die Herausforderung an...

Damit ist Rocky Balboa wohl Stallones persönlichster Film geworden: Ein letzter Beweis, dass „da unten im Keller“, also in seinem Inneren, „noch immer etwas ist“, wie Rocky im Film selbst sagt. Das Wichtigste im Leben, sagt der Film, ist Wille und Kampfgeist, aber auch etwas anderes: Niederlagen einstecken zu können. In einer eindrucksvollen Szene fasst Rocky gegenüber seinem Sohn das Motto seines eigenen Lebens zusammen: „Es kommt im Leben nicht darauf an, wie viele Schläge man einsteckt, sondern wie viele Schläge man einstecken kann und dabei noch immer vorwärts kommt.“


Alter und Erfahrung

Statt sich vom Jugendkult unserer Gesellschaft irreführen zu lassen, dreht Stallone also den Spieß um und sagt: Schaut einmal her und seht, was wir alternde Männer euch zeigen können: Erfahrung, Zähigkeit und einen eisernen Willen! Dementsprechend stehen Rocky im Film drei orientierungslose junge Männer gegenüber, denen er durch sein Auftreten und seine Persönlichkeit etwas über das Leben beibringt. Sein eigener Sohn Robert, der es in der versnobten Geschäftswelt zu etwas bringen will und unter dem Starruhm seines Vaters leidet, lernt, zu sich selbst zu stehen und auch mal einzustecken. Steps, der Sohn einer Kellnerin, mit der Rocky sich anfreundet, kommt vom ziellosen Herumhängen auf der Straße los und lernt etwas darüber, ein Ziel zu haben und dafür auch zu arbeiten. Und selbst der erfolgreiche Weltmeister Mason Dixon, der trotz seiner Siege sichtbar unzufrieden mit seinem Leben ist, kann sich von seinem Gegner ein Stück Lebensweisheit abschneiden.


Väter und Söhne

Rocky wird in der Geschichte zur Vaterfigur für diese jungen Männer – und damit weist Rocky Balboa auch schon darauf hin, wie oft solche Väter in unserer Gesellschaft fehlen. Väter, die Vorbilder sind und etwas von ihrer Erfahrung weitergeben können. Väter, die immer für ihren Sohn, für ihre Kinder, da sind, wenn diese sie brauchen. Väter, die Verantwortung übernehmen und nicht „einfach abhauen“, wie der Vater des jungen Steps, der allein mit seiner Mutter lebt, es gemacht hat. Ohne Väter, die für ihre Söhne da sind, können auch die Söhne nicht zu dem werden, was sie eigentlich sein sollten, scheint der Film zu sagen. Und wie sollen denn diese Söhne dann ihrerseits Väter – echte, gute Väter – sein können?


Sei du selbst

Die Kernbotschaft des Films ist dabei: Sei immer du selbst! Habe den Mut, deine Träume zu verwirklichen. Habe den Mut, für deine Ziele und Ideale einzustehen. Lass dich nicht davon beeinflussen, was andere Leute sagen könnten. Als Rocky zu seinem eigenen Sohn meint, dieser sei durch sein Yuppie-Leben heute „nicht mehr er selbst“, führt er Robert die Leere seines Lebens dramatisch vor Augen. Immer hatte der junge Mann Angst vor der Meinung anderer Menschen und wollte „anders“ sein als seine Familie. Er litt nämlich unter dem übermächtigen „Schatten“ seines Vaters, den er für seine Ängste und seine beruflichen Rückschläge verantwortlich gemacht hat.

Das Motiv des übermächtigen Vaters kennt man eigentlich in unzähligen Versionen, wobei normalerweise der Sohn das „Opfer“ ist, das sich von seinem Vater „befreien“ muss. Doch hier dreht Stallone wieder den Spieß überraschend um: Robert wird in Wirklichkeit nicht von seinem Vater beherrscht, sondern von seinen eigenen Ängsten. In Wirklichkeit ist ihm nicht sein Vater zu „übermächtig“ nahe, im Gegenteil: Er ist seinem Vater zu fern. Er will etwas werden, was seinem Wesen eigentlich fremd ist, und schneidet sich dabei von seinen eigenen Wurzeln ab. Statt aus dem Leben und der Erfahrung seines Vaters zu lernen, hat er sich eingeredet, dass „die Welt heute anders ist“. Rocky meint dazu bloß: „Nur die Kleider sind anders.“


Zusammenhalt

Und davon handelt der Film Rocky Balboa schlussendlich: vom Zusammenhalt zwischen Menschen in der Familie, in der Ehe, unter Kollegen, unter Freunden, sogar über den Tod hinaus. „Es geht nicht um 'mich', es geht immer um 'uns'“, betonte Stallone in Interviews zum Film. Und tatsächlich ist Rocky jemand, der immer für andere da ist, dem andere Menschen wichtig sind – und der immer ganz unkompliziert hilft, wenn er gebraucht wird, und sei es mit dem Austausch einer kaputten Glühbirne.

Aus den Höhen und Tiefen seines Lebens hat er gelernt: Erfolgreich ist nur der, der mit anderen Menschen zusammenhält. Dabei kommt in der Geschichte unterschwellig auch die Verbindung zu Gott zum Vorschein. Rocky hört vor dem Kampf die Worte der Bibel und bekreuzigt sich im Ring. Es ist, als wolle er sagen: Hinter jedem Glauben an das Leben steht der Glaube an Gott. Durch die Verbindung zu ihm wird alles möglich, egal ob Selbstverwirklichung, Erfolg, menschlicher Zusammenhalt, Arbeit oder Familie.

Daniela Sziklai

Um ein Kommentar abgeben zu können, musst du dich registrieren
Jetzt registrieren

Rocky Balboa
von: schwerelos
19.05.2007
Der Film ist schrott. Die Geschichte ist langweilig, der Film voller Cliches und unlogisch. ein absoluter flopp.

 

Orange_more