
Popculture
Musik
CCM Stars
Echtzeit – das sind Dominik, Daniel, Lukas und Heiner aus der Nähe von Köln.
Vor zwei Jahren haben sie mit ihrem Debütalbum „Alles von vorne“ bereits Aufsehen erregt, sowohl in der christlichen Musikszene, als auch darüber hinaus. Sie erhielten zum Beispiel den „Deutschen Rock- und Pop Preis“ in der Kategorie „Bester Song 2006“. Nun, 2008, warten sie mit einem neuen Album auf. „Das klingt vernünftig“ ist somit mehr als nur der Albumtitel...
Wie es zu dem Album gekommen ist, können wir euch vom YOU!Magazin verraten, denn durch ganz glückliche Umstände gelangten wir in den Besitz des Studiotagebuchs von Drummer Heiner...
Tag 1// 16:00 Uhr: Autofahrt
Anreise Tag. Reise passt in diesem Fall ganz gut, weil es uns wirklich vorkommt, als wären wir auf dem letzten Abschnitt einer langen Reise angekommen. Wir sind schon seit Monaten unterwegs in Richtung neues Album, und jetzt kommt der wohl aufregendste Abschnitt der Reise - die Zielgerade. Wir haben ganz schön die Hosen voll. Sind wir gut genug vorbereitet? Haben wir uns den richtigen Produzenten, das richtige Studio und überhaupt die richtigen Songs ausgesucht? Klar ist, dass wir alles gegeben haben und dass es um alles geht – irgendwie.
//19:00 Uhr: Rein ins Studio
Die Gefühle sind also reichlich gemischt, als wir das „Minirock Studio“ von Uwe Sabirowsky betreten. Klar waren wir schon mal da und haben uns den Laden angeguckt und mit dem Chef getratscht, aber jetzt wird’s ernst: Es wird sich zeigen, ob wir unser Vertrauen auf den richtigen Mann gesetzt haben. Man glaubt nämlich gar nicht, wie sehr die Qualität eines Albums von dem abhängt, der es aufnimmt. Wieso? Weil in der Regel der Toningenieur entscheidet, ob eine Aufnahme gut war oder wiederholt werden muss. Außerdem ist er ganz entscheidend für den Klang der Instrumente zuständig. Wir hoffen auch, dass er vielleicht sogar noch gute musikalische Ideen hat, die unseren Songs den letzten Schliff verpassen. Sollte Uwe nicht der Richtige sein, so wäre die ganze Mühe, das Herzblut, viel Geld und Zeit umsonst. Wir hoffen einfach mal das Beste und vertrauen auf Gott.
Tag 2// 10.25 Uhr: Frühfutter und los
Fällt diesmal aus. Zeit ist schließlich Geld. Vor allem dann, wenn man die Zeit im Studio gemietet hat. Also wird das Frühstück mit Brötchen zum Selberschmieren ins Studio verlegt. So können wir die Zeit beim Essen nutzen und Uwe schon mal kennenlernen. Der hat in seinem Leben nämlich schon viel erlebt und sich schnell als äußerst spaßiger Zeitgenosse herausgestellt. Also: Herzhafte Brötchen essen und herzhaft lachen und dann richtig ranklotzen. Mein Schlagzeug und die Mikrofone werden aufgebaut, dann geht’s los. Die Aufnahme läuft und ich trommel mir die Seele aus dem Leib. Normal ist: Wenn der Song zu Ende ist, sagen Uwe und Lukas erstmal, was sie von meinem Krach halten. Dann darf ich meistens noch mal trommeln oder muss zumindest einige Stellen ausbessern, bis es eine runde Sache gibt. So auch heute.
Tag 3// 12:00 Uhr: Einsatz für Trommeln und Bass
Glücklicherweise hat Uwe die für einen Toningenieur außergewöhnliche Fähigkeit zu produzieren – also mit den Klangfarben, die aus den Instrumenten und Musikern hervorgehen, ein Bild zu malen, das einen stimmigen Song ergibt. Also mischt sich Uwe kräftig ein: „Versuch doch mal diesen Break hier, diesen Groove da, diesen Ton an der Stelle, ein anderes Solo an jener...“ Das bedeutet für uns in den meisten Fällen: Vergiss alles, was du dir ausgedacht und stundenlang geübt hast! Und jetzt sollen wir dafür plötzlich etwas anderes spielen und das auch möglichst genauso gut oder besser als das Alte. Das ist natürlich eine stressige Situation und man muss viel Konzentration aufbringen. In den meisten Fällen finden wir aber die Vorschläge gut und unsere Mühe wird durch das verbesserte Ergebnis schnell belohnt. In dieser Art und Weise werden Lukas (Bass) und ich (Schlagzeug) mit Uwe die erste Studiowoche verbringen. Im Studio spielt nämlich nicht die ganze Band zusammen, sondern es wird alles nacheinander gemacht, damit jedes Instrument die volle Aufmerksamkeit und Konzentration erhält. So ist es nicht nötig, dass alle Bandmitglieder die ganze Zeit dabei sind. Wenn Drums und Bass dann fertig sind, kommt der Rest der Band und es geht mit den Gitarren los.
Tag 7// 15:00 Uhr: Aufnahmeraum
Hier ist heute absolutes Sperrgebiet. Denn wenn Dani seine Seiten auch nur zart berührt, bringt er damit im Aufnahmeraum die Gitarrenverstärker fast zum Platzen. Zum Glück sind die Wände mit Holz verkleidet – der Putz würde wohl bei dieser Lautstärke von den Wänden bröseln! Der Krach lohnt sich aber, denn schöne Gitarren, gute Mikrofone und superlaute Verstärker ergeben einfach einen herrlichen Sound. Besonders interessant ist, ob die Sounds und Töne der Gitarren das Feeling eines Songs auch wirklich erzeugen können. Da gibt es Songs wie „Du bist fort“, die von dem Selbstmord einer guten Freundin erzählen, neben Songs, die von den schönsten Wochen einer Beziehung singen. Und dann spricht „Ich glaub an Dich“ wieder von ehrlichen Zweifeln, die sich ergeben haben, weil wir unsere Beziehung mit Gott ehrlich hinterfragt haben. All diese Stimmungen und Gefühle möglichst gut mit 6 Gitarrenseiten zu unterstützen, ist wirklich ein Kunststück!
Tag 8// 18:45 Uhr, Heiners Knopf
Es gibt diese Momente, in denen man sich wünscht, dass sich im Boden ein Loch öffnet, in dem man einfach verschwinden kann, weil einem das Herz in die Hose rutscht. Jep! Genau so ging es mir heute, als ich aus Versehen mit meinem Knie an einem winzigen roten Knopf angekommen bin. Klingt eigentlich harmlos, dumm nur, wenn dann plötzlich alle Lichter, Computer und Geräte im Studio mit einem lauten Knacken ausgehen. Da sind dann nämlich ganz schnell einige Stunden Arbeit im elektronischen Nirvana! Es ist für die Platte noch recht glimpflich ausgegangen – für mich nicht. Ich schulde Uwe ein Bier und muss mir eine Meeenge Sprüche über meine Tollpatschigkeit anhören.
Tag 9// 16:00 Uhr, Gesang
Beste Zeit für Gesang. Dani hat den Morgen mal wieder ziemlich laut gestaltet und die Gitarren zu „Keine Grenzen“ auf Band gedonnert und inzwischen sind die Stimmbänder auch wach. Also ab mit Domi in den Aufnahmeraum zur gemütlichen Stehlampe, stillem Wasser und sehr teurem Mikro. Und dann wird’s ganz schön schwierig. Jetzt geht es nämlich darum, all das, was wir mit unseren Instrumenten nur andeuten konnten, auf den Punkt zu bringen. All die Gedanken und Gefühle, die wir in den Songs verarbeitet haben, müssen jetzt richtig rüber kommen. Das ist echt harte und emotionale Arbeit. Und wir schwitzen im Hintergrund mit und versuchen mit Sätzen wie „Mach hier mal mehr mit Gefühl“, „das muss dreckiger“, „ich spür’s noch nicht“ das Bestmögliche aus Domis Stimme rauszuholen. Das ist einer der Höhepunkte der ganzen Produktionsarbeit, weil wir jetzt endlich hören, wie die Texte und die Arrangements wirken, wie sie mit der Melodie verschmelzen. Uns fällt ein Stein vom Herzen, denn das Ganze scheint zu funktionieren. Es klingt wirklich nach Musik! Wir haben ein wichtiges Ziel erreicht. YEAH!
Message von Echtzeit
In ihrem aktuellen Album „Das klingt vernünftig“ fordern uns Echtzeit auf, immer weiter zu gehen und mit Gottes Hilfe aus toten Alltags-Kreisläufen auszubrechen, in denen man oft feststeckt. Es wird einen „ewigen Tag“ geben, ein Ziel, dass wir vor Augen haben und an dem wir auch in Krisenzeiten festhalten können. Mit „Ich glaub an dich“ setzt die Band ein Glaubensbekenntnis, für genau diese schweren Zeiten. „Denn ich weiß, der Schatten ist Zeuge des Lichts, du bist mehr als nur ein Traum für mich“, so heißt es in einer Liedzeile. In Zeiten des Zweifels an Gott festzuhalten und obwohl man ihn nicht sieht, entgegen aller Vernunft sein Leben nach ihm auszurichten, dazu ermutigen die Vier.
Um ein Kommentar abgeben zu können, musst du dich registrieren
Jetzt registrieren
