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Schenken
von Michael Cech
Im Dorf ist Weihnachtsmarkt und es duftet nach Zimtsternen und Bauernkrapfen. Es schneit in dichten Flocken und Weihnachtslieder dringen ans Ohr. Gina, 14, ist ganz verträumt, wenn sie an Weihnachten denkt. Sie liebt dieses Gefühl, wenn sie weiß, dass Weihnachten vor der Tür steht. Genauso wie die 17-jährige Ise freut sie sich schon darauf, ihren Freunden Geschenke zu machen. Für die beiden Mädchen ist bereits jetzt im November die beste Zeit, mit den ersten Überlegungen für all die kleinen und großen Dinge, die sie vorbereiten möchten, zu beginnen. Immerhin soll die stillste Zeit im Jahr diesmal nicht im Mega-Stress enden.
Für die Menschen, die ihr wichtig sind, überlegt Ise genau, was es sein soll. Sie will etwas finden, mit dem sie den anderen eine Freude machen kann und was sie auch wirklich brauchen können. Es gibt nichts Schlimmeres, als lieblose Geschenke. „Es muss auf jeden Fall viel Liebe drin sein, sonst ist es für mich kein Geschenk“, meint auch Gina. Sie bekräftigt noch einmal: „Es muss nichts Großes sein. Aber es soll bedeutungsvoll und mit ganz viel Liebe sein, damit man weiß, dass über dieses Geschenk nachgedacht worden ist. Vielleicht zum Beispiel auch nur ein Buch mit einer wunderschönen Widmung.“
Sich im Trubel verlieren
Wie ist das mit dem Schenken? Wie ist das mit Weihnachten? Ist hinter all dem Trubel dieser Zeit das Wesentliche verloren gegangen? Ise würde zu Weihnachten ohne Geschenke schon etwas fehlen, auch wenn sich ihrer Meinung nach nicht alles darum drehen sollte. Für sie ist klar, dass es „Jesus’ Birthday“ ist, aber es wäre eben der Wunsch der Menschen, die Freude und Liebe, die durch Jesu Geburt in die Welt gekommen sind, weiterzuschenken und alle daran teilhaben zu lassen. Schenken also als Ausdruck der Freude und Liebe. Gina meint das übrigens auch: Es ginge darum, einfach anderen eine Freude zu machen, so wie Jesus uns mit seiner Geburt die größte Freude gemacht hat.
Das Christkind
Auch wenn vielleicht nicht alle so denken wie Ise und Gina und nicht mehr alle wissen, dass Weihnachten etwas mit Jesus, dem „Christuskind“ zu tun hat, so sind sich die Menschen zumindest einmal im Jahr einig, dass man sich das Wichtigste im Leben nicht kaufen oder verdienen kann. Das Geschenk hat in unserem Leben eine viel wichtigere Bedeutung als die Meinung, man muss sich alles selbst leisten und nehmen können. Man kann das größte und teuerste Geschenk kaufen und trotzdem kann das Eigentliche fehlen. Liebe kann man eben nicht kaufen.
Leisten und zahlen
Weihnachten erinnert uns daran, dass es im Leben nicht immer nur um das Leisten und Bezahlen geht, sondern vor allem um das Schenken, nämlich im letzten von sich selbst. In jedem Geschenk sollte viel Liebe stecken, so waren sich Ise und Gina einig. Und Liebe hat damit zu tun, dass man sich selbst ein Stück weit schenkt. Wenn man sich in der Weihnachtszeit die Füße in den Bauch läuft, um ein schönes Geschenk zu finden, dann ist das bereits ein guter Anfang. Schenken heißt auch, seine Freundschaft und seine Zeit anzubieten, das Angebot, Schwierigkeiten und Probleme mit dem anderen mitzutragen, kurz, zu sagen: „Ich bin für dich da!“
Sich selbst schenken
Wenn wir uns zu Weihnachten besonders bemühen, uns gegenseitig zu beschenken, dann bedeutet das, dass wir uns selbst gegenseitig schenken wollen. Wir selbst, unser Leben, sollten ein Geschenk für andere werden. Genauso, wie Gott sich uns als Jesuskind geschenkt hat, so sollen wir uns gegenseitig an einander verschenken. Wir, die wir aber in einer Profitgesellschaft leben, zweifeln oft an dieser Tatsache. Wir denken: „Wenn ich so viel von mir gebe, dann bleibe ich selbst auf der Strecke.“ Wir haben Angst enttäuscht und verletzt zu werden. Und wie oft passiert das auch, dass wir von Menschen zurückgewiesen werden, denen wir uns öffnen wollten.

Auf der Strecke bleiben?
Es ist genau das, was eben auch Jesus passiert ist. Er kam in die Welt, um sich selbst zu schenken, aber die Welt nahm ihn nicht auf. Wir nehmen ihn oft nicht auf. Trotzdem kommt Gott zu uns, bietet immer wieder seine Freundschaft als Geschenk an. Wir als Christen sollen genau dasselbe tun, uns selbst zu schenken, auch dort, wo wir keine Gegenleistung von den anderen erwarten. Wir können uns darauf einlassen, ohne Angst haben zu müssen, auf der Strecke zu bleiben, weil Gott uns schon so viel Liebe geschenkt hat. Von ihm haben wir unser Leben, er hält uns jeden Tag, er tröstet uns, wenn wir traurig oder mutlos sind, er hört immer zu und er verzeiht uns jedes Mal vorbehaltlos.
Recht auf Glück
Sich zu verschenken, ist in unserer Welt vielleicht ein echtes Risiko. Weihnachten aber macht uns bewusst, dass nur so die Welt etwas glücklicher wird. Schenken heißt, etwas zu geben, ohne etwas zurückzuerwarten. Im letzten ist das nur möglich, wenn wir Weihnachten ganz ernst nehmen, und im Grunde alles von Gott erwarten. Er will uns glücklich machen. Er will, dass unsere tiefsten Sehnsüchte sich erfüllen. Und hier zweifeln wir so oft erst recht. Wenn wir aber nicht glauben, dass Gott uns vollkommen glücklich machen möchte, dann ist klar, dass wir uns unser Glück überall sonst holen wollen. Denn wir haben ein Recht darauf, glücklich zu sein.
Leben als Geschenk
Das Schenken hat in unserem Leben eine sehr große Bedeutung. Darum sind Geschenke zu Weihnachten auch etwas Schönes und Wichtiges. Wir müssen nämlich verstehen, dass unser ganzes Leben eigentlich ein einziges großes Geschenk ist. Und die einzige Antwort darauf ist, dass wir selbst unser Leben weiterschenken. Das ist, was Jesus uns zu Weihnachten zeigen möchte: Glücklich wirst du, wenn du etwas von dir hergibst, wenn du dich selbst hingibst. Das versuchen auch Gina und Ise zu leben. Für sie ist das einzig passende Geschenk für das Jesuskind, dass sie sich selbst ihm ganz schenken möchten. Ise: „Ich kann nur mein Leben schenken, denn es ist das Kostbarste, was ich besitze, aber auch das habe ich ja selbst geschenkt bekommen.“
Christlicher Ausgangspunkt
Das Geschenk ist also etwas, was zutiefst mit dem Christentum zu tun hat. Auch wer zum Beispiel im Internet die Wörter „sich gegenseitig schenken“ googelt, stößt beim Großteil der Suchergebnisse auf christliche Texte. Meist geht es um die Ehe. Denn dort ist, genauso wie in einer ernsten Beziehung, ja genau jener Ort, wo dieses „Sich-Schenken“ am konkretesten wird. Papst Johannes Paul II hat dazu zum Beispiel ein großartiges Wort geprägt: „Lieben heißt, alles geben und empfangen, was man weder kaufen noch verkaufen, sondern sich nur aus freien Stücken gegenseitig schenken kann.“
Haltung des Schenkens
So ist es im Grunde egal, ob wir zu Weihnachten, viele oder wenige, große oder kleine Geschenke machen. Wichtig ist, die Haltung des Schenkens und des Sich-schenken-Lassens durch diese Dinge zu entdecken. Wir brauchen keine Angst zu haben, im Leben irgendetwas zu verpassen, weil wir uns vertrauensvoll in die Hände Gottes fallen lassen können. Er ist zu uns in die Welt gekommen, um uns alles zu schenken.
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